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Leichenschändung in Afganistan

In den vergangenen Tagen tauchten immer mehr Fotos auf, die deutsche Soldaten mit Skeletten und Skelettteilen zeigten. In deutschland wird nun die Kritik an der Ausbildung unserer Soldaten laut, und eine emsige Suche nach dem Fehler im System wurde gestartet.

Meine Meinung zum Thema:

Ich könnte mich immer wieder über die deutsche Mentalität ärgern. Verhält sich irgendein Deutscher falsch, oder geschehen unvorhersehbare Dinge, entbrennt stets ein Streit zwischen den Politikern im Bundestag, sowie der Linkspartei, was wohl falsch gemacht wurde. In diesem Fall werden gern wieder alte Ziele herausgekramt, wie Computerspiele und brutale Filme. Auch die Ausbildung der Bundeswehr steht erneut auf dem Prüfstand.

Ich denke es gibt viele Ursachen für solche Entgleisungen. Zum einen ist die Bundeswehr ansich schonmal nie für Auslandseinsätze gedacht gewesen. Ansich war die definition immer "Den Feind solange beschäftigen, bis Hilfe kommt". Nun führen die USA und Großbrittanien einen erbitterten Krieg gegen den Terror. Nachdem man sich Afganistan vorgenommen hat, zieht man weiter in den Irak. Zurück bleiben die Schutztruppen, die versuchen den Scherbenhaufen irgendwie wieder zusammenzubasteln. Dabei bleibt der Soldatenstolz kurz- oder langfristig auf der Strecke. Bei Youtube findet man unzählige Videos, die Zeigen wie amerikanische Soldaten sich mit toten Irakis und Afganen brüsten. Stolz vor verbrannten, zerbombten Häusern posieren oder mit Handgranaten Waschmaschinen in die Luft jagen. Das muss der deutsche Soldat irgendwie kompensieren, oder zumindest nachahmen. Weniger aufsehen machte auch ein Zippo Feuerzeug, was deutsche Soldaten im Kosovo Einsatz designt hatten. Auf dem gebürsteten Edelstahlgehäuse prankte mit großen Lettern der Schriftzug: "KFOR - born to kill"

Der große Skandal konnte hier vermieden werden, doch die betreffenden Soldaten wurden aus der Schutztruppe verbannt, für etwas was andere Länder als patriotismus verbuchen. Selbstverständlich verurteile auch ich die Leichenschändung in Afganistan. Ich habe als erstes im Radio davon gehört. Vor meinem Auge  formte sich sogleich das Bild deutscher Soldaten die mit einem halbverfaulten Leichnam kopulierten. Was letztlich zu sehen war, ein junger Mann, der mit einem Totenkopf vor der Kamera posiert, schockte mich dann letztlich deutlich weniger.

Ich halte es auch für einen fatalen Fehler, bei allen Entgleisungen gegen Filme und Computerspiele in den Krieg zu ziehen. So erscheinen kaum mehr Spiele, deren einziger Sinn es ist Menschen zu töten. Das vielzitierte Counterstrike z.B. ist da viel viel tiefsinniger. Nochdazu lässt sich das Spiel spielen ohne jemals auf einen Menschen zu schießen. Zugegeben, mehr schlecht als recht... aber trotzdem

Ähnlich sieht es bei den Filmen aus. Das Gewaltpotential der neusten US Streifen ist meiner Ansicht nach nicht höher als das älterer Filme. Lediglich die Effekte erscheinen glaubwürdiger. Trotzdem ist doch seltsam dass sich erst in letzter Zeit fast alle Gewaltverbrechen darauf zurückführen lassen. Niemand hinterfragt z.b. die Tagesschau oder das Heute Journal.

Die Nachrichten Sendungen heutiger Zeit tragen meiner Ansicht nach nicht wenig zur verrohung der Gesellschaft bei. So werden heute nahezu täglich Bilder von Leichen gezeigt die auch unzählige Arten ums leben gekommen sind. Mal das zerfetzte Unfallopfer, mal der liquidierte Terrorist etc. etc. Oft sieht man auch den Rettungsdienst bei der Arbeit, vergeblich reanimierend, wo nichts mehr zu retten ist. Hinzu kommen all die frischen neuen Dokus, die Rettungsdienst oder Polizei begleiten und tiefer in die menschliche Privatssphäre vordringen als sich das Fernsehen Jahrzehnte lang getraut hat. Wer versteht, dass Counterstrike nur ein Spiel ist, und weiß, dass die Opfer von Arnold Schwarzenegger, nach dem Film wieder aufstehen und nach Hause zu ihren Familien fahren, der weiß auch, dass diese Dokus die Realität zeigen, keine erfundene Story, keine Statisten. Wurde früher in den Nachrichten eine Leiche gezeigt, dann war sie stehts mit einer Decke verdeckt, wurde von Feuerwehrleuten mit Laken vor blicken geschützt, und die Kamera fuhr aus 250m lediglich unscharf kurz über den Ort des Schreckens.

Fazit:

Man sollte einfach nicht immer so politisch überkorrekt reagieren. Man sollte den Vorfall verurteilen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und gut ist! Wir brauchen keine neuen Gesetze gegen Leichenschändung im Auslandseinsatz und auch keinen Pietätsbeauftragten bei der Bundeswehr. Ich finde, dass die ganze Tat doch letztlich deutlich weniger gewichtig ist als das Köpfen ausländischer Reporter vor laufenden Kameras oder ein Sprengstoffattentat auf unbeteiligte Terroristen. Wir sind doch alle erwachsen und können sowas klären ohne gleich Fahnen zu verbrennen.

 

 

 

gruß chris

29.10.06 12:52
 


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